Leben & Werk

Adolf Emil Noether (auch Nöther) war ein Dresdner Landschafts- und Blumenmaler. Er arbeitete vor allem in Aquarell, malte aber auch in Öl, zeichnete und schuf Vorlagen für Drucke, Postkarten und Bücher.

Adolf Noether, Fotografie von 1891
Adolf Noether, aufgenommen 1891 von A. Adler, Hof-Photograph in Dresden

Biografie

  1. 1855
    Geboren am 9. Dezember in Dresden, in gutbürgerlichen Verhältnissen.
  2. Jugend
    Kindheit und Volksschule in Dresden, wo er als bester Zeichner auffällt.1
  3. vor 1882
    Lehre als Lithograf in Dresden, beginnend mit der Steinzeichnung, danach Tätigkeit als Lithograf. In dieser Zeit lernt er Ludwig Richter kennen.1 Ältere Darstellungen nennen stattdessen einen Besuch der Dresdner Kunstakademie um 1875.
  4. 1882–1884
    Schüler der Kunstgewerbeschule Dresden, Abteilung Dekorationsmaler.1
  5. 1884–1888
    Drei Jahre Fortsetzung des Studiums in Berlin, danach Rückkehr nach Dresden.1
  6. ab 1888
    Er malt – später unterbrochen von langen Schaffenspausen – vor allem Landschaftsaquarelle und wird Mitglied der Allgemeinen Deutschen und der Dresdner Kunstgenossenschaft.1
  7. 1890–1896
    Blumen- und Pflanzenstudien erscheinen als Vorlagenwerke bei den Leipziger Chromolithographie-Verlagen Baldamus, Grimme & Hempel sowie Wezel & Naumann – darunter 1892 die Mappe Blumenstudien mit 18 Tafeln.
  8. 1891
    Ein von ihm bemalter Seidenfächer mit Rosen wird beim Wettbewerb und in der Ausstellung des Badischen Kunstvereins in Karlsruhe gezeigt.
  9. ohne Jahr
    Tätigkeit als Kopist in der Dresdner Gemäldegalerie.
  10. 1935
    Zum 80. Geburtstag zeigen der Sächsische Kunstverein und die Kunsthandlung Emil Richter Sonderausstellungen seiner Aquarelle. Das sächsische Innenministerium, der Freistaat und die Stadt Dresden erwerben Blätter von ihm.
  11. 1914–1931
    Wohnung in Dresden-Antonstadt, Angelikastraße 7, danach in Dresden-Blasewitz.1
  12. 1926
    Sein Aquarell „Bei Salesel“ hängt auf der Großen Aquarell-Ausstellung Dresden.1
  13. 1943
    Adolf Noether stirbt am 8. Juli in Dresden, im 88. Lebensjahr.

1 Nach: Künstler am Dresdner Elbhang, Zweiter Band, Dresden 2007, S. 322 (siehe Quellen).

War er ein Schüler Ludwig Richters?

Das wird seit jeher gern behauptet – auch auf dieser Seite stand es lange so. Die Quellen sind vorsichtiger: Ein Nachruf von 1943 spricht von „freundschaftlichen Beziehungen“, die Elbhang-Biografie davon, dass er Richter als junger Lithograf kennenlernte. Der Kunsthändler H. W. Fichter hält 1992 fest, Noether zähle nicht zu Richters Schülern, sei dem damals bereits emeritierten Professor Mitte der 1870er-Jahre aber vermutlich noch begegnet; seine Motive zeugten vom nachhaltigen Einfluss des Spätromantikers. Kurz: beeinflusst und persönlich bekannt – ein Schüler im engeren Sinn war er wohl nicht.

Malweise und Motive

Mit den Jahren entwickelte Noether eine für ihn charakteristische Mischtechnik: Um seinen Aquarellen mehr Tiefe und Ausdruck zu geben, betonte er Konturen mit Kohle und Bleistift. Ein Nachruf hebt die Zartheit seines Pinselstrichs hervor – umso erstaunlicher, weil er mit der linken ebenso wie mit der rechten Hand malen konnte.

Seine Motive fand er in der Heimat: Dresden und Loschwitz, das Elbtal und das Elbsandsteingebirge, Meißen und Moritzburg. Daneben stehen Blumenstücke, Stillleben, Figurenbilder und historische Szenen. Zeitgenossen zählten ihn zum Loschwitzer Kreis und sahen in ihm einen Nachfolger Ludwig Richters.

Illustrationen für Raphael Tuck & Sons?

Ich besitze kleine Gedichtbände des Londoner Verlags Raphael Tuck & Sons aus der Zeit um 1900, die den Vermerk „Illustrations by A. Noether“ tragen, meist mit Blumenmotiven. Zeitraum und Herstellung in Sachsen sprechen dafür, dass Adolf Noether gemeint ist – ein Beweis fehlt bisher. Wissen Sie mehr über diese Publikationen?

Aus den Nachrufen von 1943

Beide Nachrufe erschienen im Juli 1943 in der gleichgeschalteten Presse; der „Freiheitskampf“ war die Gauzeitung der NSDAP in Sachsen. Sie sind als Zeitdokumente zu lesen. Hier stehen kurze Auszüge.

„Mit liebendem Blick besah er, was die Natur ihm bot; mit einem besonders offenen Auge ist er durch seine Heimat gegangen und hat ihre verborgenen Schönheiten und die Köstlichkeiten ihrer heimlichen Winkel entdeckt.“

Leonore Kupke, Dresdner Zeitung, Juli 1943

„Nöther war ein Maler des Loschwitzer Kreises. Mit Ludwig Richter verbanden ihn freundschaftliche Beziehungen. Er ist sein Leben lang seiner bescheidenen, ganz auf Besinnlichkeit und Naturempfinden eingestellten Art treu geblieben.“

Walter Preusser, Der Freiheitskampf, 9. Juli 1943

Beide Nachrufe erwähnen auch, dass Hitler eine Mappe mit etwa 70 Aquarellen Noethers für das Gästehaus auf dem Obersalzberg erwarb. Ihr Verbleib ist unbekannt – mehr dazu unter Gesucht.

Familie

Ich stamme in gerader Linie von Adolf Noether ab: Er war der Großvater meiner Großmutter. Durch Heirat ging der Name Noether in meiner Linie verloren – meine Großmutter hieß später Gruhner, ich heiße Felber. Die Tafel zeigt die Familie, soweit sie mir bekannt ist; lebende Personen sind bewusst nicht aufgeführt. Sind Sie ebenfalls mit Adolf Noether verwandt? Dann freue ich mich sehr über eine Nachricht.

  1. Eltern
    Wilhelm August Ferdinand Noether* 13.8.1821 Dresden · † 10.1.1901 Dresden⚭Pauline Auguste Schaefer* 19.8.1814 Dachrieden · † 27.1.1882 Dresden
  2. Der Maler
    Adolf Emil Noether* 9.12.1855 Dresden · † 8.7.1943 Dresden · Kunstmaler⚭ 1884Marianna Deil* 13.4.1865 Plauen
  3. Kinder
    Adolf Johannes Noether* 22.5.1885 Berlin · † 7.11.1916 · Ingenieur⚭ 1910Theodore Hahn* 11.2.1882 Dresden · † 22.6.1956 Chemnitz · Fotografin
    Susanne Noetherverh. Scheven
    Otilie Noetherverh. Jacobi
  4. Enkel
    Theodor Adolf Wolfgang Noether* 12.2.1912 Chemnitz · † 1.2.1999 Chemnitz
    Christine Noether* 13.2.1917 Chemnitz · † 6.10.1998 Chemnitz⚭ 1939Johannes Rudolf Gruhner* 6.11.1907 Thum · † 30.10.1986 Chemnitz

    Die Enkel stammen von Adolf Johannes Noether; Christine Gruhner, geb. Noether, ist meine Großmutter.

Quelle: Familienunterlagen (Stammbaum, Stand 2005). Weitere Linien und spätere Generationen ergänze ich, sobald sie geprüft sind.

Nicht zu verwechseln mit …

Quellen und Literatur